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Arbeiten 4.0: Was ist das und wenn ja wieviele?

Matthias Lorentz am 11.06.2015 11:14:00

 Arbeiten 4.0

Arbeiten 4.0… Das neue Buzzword für jeden, der beruflich „irgendwas mit Digitalisierung“ macht? Es ist alles noch sehr schwammig. Das Bundesarbeitsministerium für Arbeit und Soziales hat Ende April das Grünbuch Arbeiten 4.0 veröffentlicht und dies mit dem Aufruf zu einem Dialog über die Frage: „Macht Technik unser Arbeiten besser?“ verbunden. Die Herleitung der Versionsnummer 4.0 auf der Website des BMAS orientiert sich an den 4 Stufen der Industrialisierung und den daraus entstehenden Konsequenzen. Arbeiten 4.0 scheint also relativ offensichtlich eine Anlehnung an das Zauberwort der Stunde „Industrie 4.0“ zu sein.

Also wieder einmal nur eine politische Reaktion auf eine Entwicklung, die nicht erst seit gestern absehbar war. Auf dem BarCamp Arbeiten 4.0, das die Bertelsmann Stiftung am 03.05.15 in Berlin veranstaltete, sagte Torben albrecht, Staatssekretär im BMAS, dass es sich nicht lohnt immer nur „ins Silicon Valley zu schauen und den Entwicklungen dort hinterherzulaufen“. Das ist offensichtlich richtig. Aber eben nur dann, wenn man die Initiative übernimmt und nicht nur reagiert.

Weitere Definitionsversuche

Innerhalb der Sessions des Barcamps wurden weitere Annäherungen an eine Definition des Begriffs Arbeiten 4.0 diskutiert. Ein paar Beispiele:

  • Gesellschaftliche Entwicklung, die eine Diskussion über den allgemeinen Umgang mit Digitalisierung notwendig macht.
  • Die Folge von Industrie 4.0. Internet der Dinge hat Auswirkungen auf die Arbeitswelt von Menschen.
  • Minimal Management Prinzip: Leitplanken und Werkzeuge stehen den Mitarbeitern zur Verfügung, minimale Vorgaben führen zu Ergebnissen durch frei und eigenverantwortlich arbeitende Mitarbeiter.
  • Teil der Arbeit, der nach der maximalen Automatisierung von Routineprozessen übrig bleibt.
  • Arbeiten 4.0 = Vertrauen, Verbundenheit über einen Sinn, Vernetzung

Diese Liste ist natürlich nicht vollständig. Ein BarCamp hat den Nachteil, dass man leider nicht an jeder Session teilnehmen kann. Meine Arbeitsthese für Arbeit 4.0 ist eine relativ simple Formel (Unschärfen, Reibungsfläche und Metaebene sind garantiert), die relevante Bestandteile „der Arbeit“ in ihrem aktuellen Entwicklungsstand kombiniert: Arbeit 4.0 = Mensch 1.0 + Enterprise 2.0 + Management 3.0 + Industrie 4.0 + Gesellschaft 5.0

Mensch 1.0 - Nicht bessere Mitarbeiter für Unternehmen, sondern bessere Unternehmen für Mitarbeiter

Wir können den Menschen nicht verändern. Kurz mal in das Inhaltsverzeichnis eines Geschichtsbuch geschaut, und schon hat man 10 Beispiele gescheiterter Versuche, dies zu tun. Es ist sicherlich möglich, antrainierte Verhaltensweisen, Ausbildung und Lernkultur an eine neue Arbeitskultur anzupassen. Der Mensch wird aber auf absehbare Zeit der Mensch 1.0 bleiben, als kleinster Bestandteil von Unternehmen, Management, Industrie und Gesellschaft. Aufgabe kann es daher nur sein, die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen der Arbeit an den Menschen anzupassen und nicht umgekehrt.

Enterprise 2.0 - It´s not just about the tools…

Ein Buzzword, das inzwischen fast schon wie ein sehr alter Hut wirkt. Per Definition bedeutet Enterprise 2.0 den Einsatz von Social Software im Unternehmenskontext, um Zusammenarbeit, Innovationsfähigkeit und Wissensmanagement zu unterstützen. Die Praxis in diesem Bereich geht allerdings über die Implementierung der digitalen Infrastruktur hinaus. Entwicklung neuer Organisationsformen (interne Communites und internes Community Management), Maßnahmen zur Veränderung der Unternehmenskultur und Impulse zu neuen Führungsprinzipien (Leadership 2.0) sind inzwischen fundamentaler Bestandteil erfolgreicher E2.0 Initiativen.

Management 3.0 - Der mit der Agilität tanzt

Das dass, was man im Allgemeinen unter klassischer Führung versteht, inzwischen nicht mehr wirklich zeitgemäß ist, ist im Großen und Ganzen inzwischen Konsens. Und es gibt durchaus Beispiele für gelungene Veränderungen von Führungskultur und - prinzipien. Und eine Ablösung der klassischen Managementprinzipien schein nur eine Frage der Zeit zu sein. Management 3.0, wenn auch bisher ein Buzzword aus dem IT Umfeld, kombiniert agile Organisation, komplexes Denken und Führung durch Fähige (Meritokratie). Zumindest in der Theorie eignet es sich also durchaus als Ausgangspunkt für ein zukunftstfähiges Managementprinzip, da es viele Aspekte der aktuellen Diskussion über Führung X.0 enthält. Die innerhalb der Barcamp Sessions oft diskutierte Frage, ob klassische Führungskräfte langfristig überhaupt noch notwendig sind bleibt aber offen. 

Industrie 4.0 - Die Vernetzungsmaschinerie

Internet Of Things, vernetze Maschinen, intelligente Fabriken. Das worüber im Moment das „produzierende Deutschland“ spricht, ist eine bürokratische Initiative, das zu erreichen und Prozesse bzw. Standards hierfür zu entwickeln. Auch wenn man die Schwerfälligkeit und isolierte Perspektive (nur Deutschland) der Inititative kritisieren kann, ist die Absicht hinter Industrie 4.0 zu loben. Unabhängig davon, wie weit die praktische Umsetzung fortgeschritten ist, eignet sie sich allerdings nur bedingt zur Ableitung der Arbeit 4.0, wie es das BMAS tut. Auch wenn Industrie in Deutschland ein wichtiges Thema ist, ist ein allein auf sie bezogener Ansatz für Arbeiten 4.0 zu kurz gedacht.

Gesellschaft 5.0 - Die digitale Gesellschaft

Für mich persönlich ist der wirklich „neue“ Aspekt der Arbeiten 4.0, die gesamtgesellschaftliche Perspektive innerhalb des Diskurses. Welche gesellschaftlichen Konsequenzen hat Automatisierung grundsätzlich? Wie gehen wir mit der sinkenden Anzahl von Jobs für Routinetätigkeiten um? Wie muss sich Bildung und Ausbildung anpassen, um den gesellschaftlichen und Wirtschaftlichen Entwicklung zu entsprechen? Diese und andere Fragen sind weder ausreichend diskutiert, noch haben sie die notwendige Priorität in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion. Die Digitale Gesellschaft, als Nachfolger der Wissensgesellschaft muss sich diesen Fragen stellen.

Digitale Transformation mit Weitblick

Die Frage, die sich bei aller Diskussion aber schnell stellt, ist die nach der Sinnhaftigkeit der kleinteiligen Debatte über Definitionen und Details. Veränderungszyklen verkürzen sich zunehmend, und Buzzwörter lösen sich im Monatstakt ab. Fangen wir denn dann, wenn es um Arbeit 5.0 geht, wieder von vorne an? Sicherlich muss man eine Debatte darüber führen, wie man aktuellen Herausforderungen der digitalen Arbeit begegnen kann. Um aber aus der Position des Reagierenden herauszukommen und tatsächlich die Initiative zu ergreifen scheint es viel wichtiger zu sein, Fähigkeiten für Menschen, Unternehmen und die Gesellschaft zu entwickeln, um grundsätzlich mit Veränderungen umzugehen und Veränderungen antizipieren kann. Also nicht nur lernen mit aktuellen Entwicklungen umzugehen, sondern auch einen frühen Nutzen aus der Veränderung ziehen zu können. Nur indem der „Constant Change“ langfristig im Fokus der Diskussion steht, entwickeln sich Möglichkeiten den Entwicklungen nicht nur hinterherzulaufen, sondern diese zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Weitere interessante Blogposts:

Live Blog zum Barcamp Arbeiten 4.0

Digitale Transformation // Teil 1: Eine neue Agenda für die Kommunikation

Change Kommunikation innerhalb der Digitalen Transformation

Whitepaper Interne Kommunikation 2.0

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