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Der Nutzen des Privaten (oder: Linkmaschinen und Fanmagneten)

Carsten Rossi am 10.09.2009 14:07:00

Je sozialer das Internet wird, desto mehr häufen sich die Mahnungen, nicht zu viel von sich preiszugeben. Die Warnungen reichen von den Gefahren, die durch das Ausspionieren des Aufenthaltsortes entstehen können ("Einbruch"), bis zu solchen, die den gläsernen Mitarbeiter in seiner aktuellen oder auch zukünftigen Position ereilen können ("Unerwünschtheit"). Der Tenor lautet: öffentlicher fachlicher Austausch ist akzeptabel, das Preisgeben privater Details ist potentiell reputationsschädigend.

Ich kann diese Ansicht nicht teilen. Geschäfte, Networking oder fachlicher Austausch jeglicher Art leben von der Akzeptanz meines Gegenübers. Ich mache im allgemeinen schlechtere oder gar keine Geschäfte mit (mir) unsympathischen oder unsozialen Menschen. Auf großen oder kleinen öffentlichen Veranstaltungen habe ich zumindest die Möglichkeit, mein Gegenüber, meinen potentiellen Arbeitgeber, -nehmer oder Partner von Angesicht zu Angesicht kennen zu lernen. Das Erleben der Persönlichkeit gibt mir einen deutlichen Hinweis darauf, ob und wie ich mit ihm oder ihr arbeiten oder ein Bier trinken möchte. Deshalb bleiben Messen, Kongresse, Seminare oder Assessment Center weiterhin so beliebt.

In einer weitgehend virtuellen Umgebung ist mir das nur möglich, wenn mein Gegenüber Fachliches und Persönliches nicht künstlich trennt, sondern wenn er oder sie etwas von seiner Persönlichkeit preisgibt. Informationen über Hobbies, Urlaubsorte, Humor und Lektüre helfen mir, ihn oder sie als Person überhaupt erst wahrzunehmen und mir ein Bild von ihm zu machen. Sie machen aus ihm oder ihr sogar mehr als eine Person: eine Persönlichkeit.

Natürlich kann es so passieren, dass sich auch Türen schließen. Menschen, denen nicht gefällt, was ich schreibe, werden unter Umständen nicht mit mir arbeiten oder mich ignorieren wollen. Aber genau darum geht es: (Online-)Reputation entsteht nicht durch Konturlosigkeit sondern durch deutliche Profilierung. Diese Profilierung ist sogar der eigentliche Sinn von Reputation: mein Profil soll mir und anderen helfen, den richtigen Kontext, die richtigen Partner zu finden. Sie mit Beliebtheit zu verwechseln führt mittelfristig nur zu Enttäuschung oder Zeitverschwendung für beide Seiten. Die Zukunft gehört weder den Linkmaschinen oder Follower-Staubsaugern (Twitter) noch den Fan-Magneten (Facebook) - sie gehört den Persönlichkeiten.

So hart das auch sein mag: es siegt das Prinzip Lobo, nicht das Prinzip Lobotomie.

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