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Vorstandsfotografie im Geschäftsbericht: Ohne Vertrauen geht es nicht!

Marc Ribbrock am 23.06.2015 08:26:36

 

Claudia Kempf

„Der Trend der prämierten Geschäftsberichte zeigt in der Fotografie eine authentische, schlichte, sensible Bildsprache“, sagt Claudia Kempf. Sie muss es wissen. Selbst vielfach ausgezeichnet, saß die erfahrene Vorstandsfotografin auch schon persönlich in der Corporate Publishing Jury des ADC Awards. Im Interview verrät sie, was für sie ein gutes Vorstandsfoto ausmacht.


Worin liegt die Besonderheit der Vorstandsfotografie?

Claudia Kempf: Bei der Vorstandsfotografie handelt es sich um angewandte oder besser gesagt inszenierte Fotografie. Überspitzt formuliert: Es soll nicht Realität, sondern ein ganz bestimmtes Bild vermittelt werden. Dafür wird der Vorstand, als wichtigster Repräsentant eines Unternehmens, in einem möglichst gut vorbereiteten Shooting in einer attraktiven Location positioniert und fotografiert. Das ist vergleichbar mit den großen Wandgemälden der Herrschenden und besitzenden Klasse im Feudalismus. Man ließ sich malen im Pelz, vor purpurnem Vorhang, in der Hand den goldenen Knauf des vornehmen Gehstocks und zu Füßen der Hund. Gerne groß, aber unter Kontrolle. Die Kernbotschaft dort: Reichtum, aber vor allem Macht.


Was bedeutet das auf die heutige Zeit übertagen?
Diese Werte finden wir auch noch in der heutigen Vorstandsfotografie. Wobei Reichtum eher für die Finanzkraft eines Unternehmens steht und Macht für dessen Kompetenz. Heutzutage ist die Hauptbotschaft eines gelungen Vorstandsbildes sicherlich: Kann ich diesem Manager vertrauen? Kann ich diesem Unternehmen vertrauen? Ich wage die These, das eine unbewusst gestellte Frage im Raum steht, die ein gutes Vorstandsbild mit seiner Botschaft möglichst klar beantworten soll: Kann ich diesem Mann/Frau/Unternehmen bedenkenlos mein Geld geben, und welchen Vorteil habe ich davon?


Die Kernbotschaft, die ein Vorstandsbild vermitteln soll, lautet also Vertrauen?
Richtig. Vertrauen ist für mich in diesem Zusammenhang die Grundwährung: Vertrauen in Produkte, Vertrauen in Dienstleistungen. Vertrauen darin, dass das Unternehmen so geführt wird, dass es in 10 Jahren noch stabil im Markt steht.


Wie transportiert man dieses Vertrauen im Bild am besten?
Um diese „Information“ in einem Vorstandsbild zu vermitteln, muss die entsprechende Person zuallererst zu erkennen sein. Und wenn man sie erkennt, kann man als Betrachter entscheiden, ob man ihr traut oder eben nicht. Es geht also mehr um eine Art Wahrhaftigkeit als um eine Beteuerung. Als Betrachter will ich nicht, dass man mir sagt, dass ich vertrauen kann – ich will die Person sehen und selbst entscheiden, dass ich’s kann.


Welche Rolle spielt der Fotograf, um diesen entscheidenden Punkt „Vertrauen“ im Bild zu vermitteln?
In meinen Augen hängt es zu 99 Prozent vom Fotografen und dem Moment des Fotografierens ab, ob diese entscheidende Botschaft rüber kommt: Der Fotograf muss in der Lage sein, den Vorstand nicht in Symbolen einzumauern, sondern er muss ihm eine Form innerer Offenheit entlocken. Der Dargestellte muss bereit sein, sich für einen kurzen Augenblick zu zeigen, zu öffnen oder etwas von seinem innersten, zutiefst authentischen Kern preiszugeben. Dann kann ein besonderes Bild entstehen, das eine Persönlichkeit erkennen lässt.


Wie gelingt das?
Das entscheidet sich in dem Moment unmittelbar vor Auslösen des Fotos. Zunächst muss der Fotograf eine menschliche Verbindung zum Vorstand aufbauen, eine gewisse Nähe und Vertrautheit herstellen, damit der abgebildete Mensch überhaupt bereit ist sich zu öffnen. Dazu gehören natürlich auch Gesten und dass der Anzug sitzt, aber eigentlich geht es um das Grundsätzliche. Alles andere im Entstehungsprozess eines Bildes steht hinter dieser „Authentizität“ zurück.


Wie bereitet man sich auf so ein spezielles Shooting vor?
Organisatorisch ist die Reihenfolge natürlich eine andere. Man muss sich Gedanken zur Positionierung und Inszenierung machen. Eine Location muss gefunden werden. Gibt es Requisiten? Das erfordert eine minutiöse Vorbereitung, denn das Zeitfenster für das alles entscheidende Shooting ist extrem eng. Vorstände haben in der Regel keine Zeit. Diese Gestaltungselemente sind wie der Beat in der Musik. Wehe es stimmt etwas nicht, dann stoppt sofort die Bereitschaft, dem Musikstück zu folgen. Ist aber der Beat stimmig und natürlich, überträgt sich zum einen eine gewisse Lebensfreude, und zum anderen sind wir als Betrachter nicht nur bereit zu folgen, wir freuen uns sogar darüber.


Was ist Ihr „Rezept“ für ein gutes Vorstandsfoto?
Dass ein aufgeräumtes Bild eher Vertrauen erweckt als ein chaotisches ist in diesem Zusammenhang fast eine Binse. Ähnlich der, dass ein Bild Schärfe braucht, oder dass man den Vorstand nicht unsichtbar hinter eine Säule stellt. Aber darüber hinaus würde ich behaupten, dass es kein allgemein anwendbares Rezept für ein gutes Vorstandsbild gibt.

Vielen Dank für das Interview, Frau Kempf! 

 

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Vorstandsfotografie in Geschäftsberichten

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