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Social Media ist Krieg

Carsten Rossi am 05.04.2011 15:49:00

An bewölkten Tagen frage ich mich gerne, ob Social Media wirklich die Kraft haben, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Denn seien wir doch ehrlich: wirklich viel verändert hat sich bisher durch den Einsatz unserer neuen Kommunikationsinstrumente nicht. Weder hat sich die gesellschaftliche Lagerbildung groß verändert, noch an der Diskussionspraxis der jeweiligen Lager. Es mag hin und wieder zu Kräfteverschiebungen gekommen sein, aber die Gegner bleiben auch danach die gleichen: links gegen rechts, oben gegen unten, Atom gegen Solar, Wirtschaft gegen Zivilgesellschaft, Greenpeace gegen alles, was einen Schornstein oder ein Boot hat.

Das scheint daran zu liegen, dass wir Social Media bisher weitestgehend als neue Werkzeuge zur optimierten Durchsetzung alter Ziele nutzen, als da wären:

  • an den Mann und die Frau bringen;
  • andere überreden;
  • die verbale Lufthoheit sichern;
  • Beeinflusser beeinflussen;
  • Antworten geben
  • usw usf.

Eine wirklich intelligente Veränderung unseres Verhaltens jedoch bleibt bisher weitestgehend aus. Darunter verstehe ich

  • den wirklichen Bedarf ermitteln;
  • Konsens erzeugen;
  • anderen ein Forum bieten;
  • viele mit einbeziehen;
  • Fragen stellen;
  • usf usw.

Video: IMS 

Vielleicht fehlt mir an bewölkten Tagen einfach die Aussicht und ich sehe manches nicht. Aber die Dominanz von Plattformen wie Facebook, die aufgrund ihrer technischen Architektur die private und öffentliche Lager- und Gruppenbildung eher verstärken, als neue Horizonte zu eröffnen, scheint mich doch zu bestätigen. Weltweit scheint eine ganze Industrie nur damit beschäftigt, Vorhandenes zu konsolidieren und zu integrieren. Der Algorithmus des Social Web und seiner Empfehlungssysteme dient scheinbar nur dem Ziel, mich in dem zu bestärken, was ich weiss und mich mit jenen zusammen zu bringen, die so sind wie ich. Dabei würde ich mir wünschen, dass mir ein System einmal intelligent den Spiegel vorhält und sagt: "Hey, das alles hast du noch nicht bedacht, gesehen, erfahren." Ein solches Expertensystem wäre von unschätzbarem Nutzen für Privatpersonen und Organisationen. Denn Wandel entsteht nicht durch Bestätigung sondern durch Veränderung, durch Bruch und Destabilisierung. Veränderung heisst, den Platz zu wechseln, nicht, sich noch tiefer in den Boden zu drehen.

Womit wir bei der Headline dieses Beitrags wären: Das Militär preist neue Waffen meistens als intelligent an. Und nutzt sie letztlich dann doch den alten Atavismen und Reflexen entsprechend.

Mit Social Media ist das in vielen Fällen noch genauso: neue Tools dienen der Branche bisher nur der effizienteren Umsetzung alter Ziele.

Der Unterschied ist allerdings, dass ich an sonnigen Tagen an die Entwicklungsfähigkeit von Social Media glaube.

P.S. Da heute ein bewölkter Tag ist, würde ich mich über Kommentare und Beispiele, die mich im Positiven bestärken und die Sonne zurückzaubern, sehr freuen.

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