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Sankt-Florian-Kommunikation

Carsten Rossi am 10.02.2009 09:07:00

In seiner heutigen Ausgabe (HB, 10.2.2009, S. 9) zeichnet das Handelsblatt sehr ausführlich die Verflechtungen der deutschen Auomobilhersteller mit ihren Zulieferern und die daraus resultierenden Gefahren in der Krise nach. Mark-Christian Schneider macht in diesem Artikel - dessen Detailfülle das chronisch unhandliche Format der Zeitung endlich einmal rechtfertigt - mehr oder weniger explizit deutlich, dass die Branche nur durch konzertierte Aktionen über Konzerngrenzen hinaus das Schlimmste abwenden kann: das Ende eines großen Zulieferers würde mehrere Hersteller zugleich betreffen und destabilisieren.

Was der Realwirtschaft recht sein muss, sollte der Kommunikation zumindest billig sein. Man könnte erwarten, dass auch die Unternehmenskommunikaion der Hersteller diese Situation in klaren Worten anspricht und zumindest verbal entschärft. Ein kurzer Check auf den Websites zeigt jedoch das Gegenteil: kommuniziert wird im allgemeinen nur das eigene Krisenpaket und seine positiven Auswirkungen auf das eigene Unternehmen. Von seiner Bedeutung für die Zulieferer - und von der eigenen Verantwortung für deren Stabilität - ist jedoch in den meisten Fällen nicht einmal ansatzweise die Rede, weder im Guten noch im Schlechten. Selbst dem qua Funktion für solche Themen prädestinierten VDA gelingt zu diesem Thema nicht mehr als ein ziemlich kalt geschriebenes Gespräch mit Wirtschaftsminister Glos im Dezember. In diesem wird die Verantwortung für die Bewältigung der Krise dem Staat zugeschoben, der sie wiederum an die Banken durchreicht. Eine Gesamtverantwortung der Branche für das eigene Wohlergehen wird nicht thematisiert, ein Maßnahmenplan scheint nicht zu existieren.
Vielleicht hat es ja Methode, vielleicht möchte man ja die verzwickte und wenig fehlertolerante Situation der Industrie nicht allzu deutlich kommunizieren, um der Gefahr einer "self-fulfilling-catastrophe" zu entgehen (obwohl man diese ja dann gerne beschwört, wenn es darum geht, die Notwendigkeit staatlicher Unterstützung zu rechtfertigen).
Dann wäre dies aber eine Leugnung des Offensichtlichen, die entweder die relevante Öffentlichkeit auf wenig intelligente Art und Weise für dumm verkaufen (bzw. dumm halten) will oder die einer systemimmanenten Kurzatmigkeit entspringt. Dabei wäre mir allerdings ersteres lieber. Denn glauben zu müssen, dass verantwortungsvolle Kommunikation in einer Krise nur bis zu den eigenen Werkstoren reicht, wäre dreifach desillusionierend:
  • Das Konzept der Corporate Responsibility entpuppte sich als Schönwetterphänomen.
  • Stakeholder Value Management und Communication blieben auf sehr lange Zeit eine recht neblige Vision, und
  • die Krisenkommunikation der Hersteller wäre handwerklich schlecht.
Denn wenn schon das Daimler-Blog um die engen Zusammenhänge in der Industrie weiss (vgl. "Ein Porsche fährt nicht ohne Mercedes"), wäre die bewusste Unterlassung schon der kommunikativen Hilfeleistung für die eigenen Partner mehr als fahrlässig - und entspräche der Anwendung des Sankt-Florian-Prinzips auf die Unternehmenskommunikation. Was es jetzt braucht ist eine kommunikative Eimerkette, die durch klare Aussagen und deutliche Symbole den Schwelbrand löschen hilft.
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