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Fortune 500 Posing, oder: Lob der Unschärfe

Carsten Rossi am 10.07.2009 14:23:00

Vor einiger Zeit schrieb ich einen eher auf Ästhetik und Design bezogenen Eintrag, der die Tagcloud zum ästhetischen Prinzip erklärte.

Heute morgen erscheint es mir, also ob mehr dahinter stecken könnte oder zumindest sollte. Denn angesichts des Hypes um die neue Fortune 500 Liste unter dem Motto "Oh weh, wir werden unwichtig und Chinesen erobern die Welt" fiel mir auf, wie unangemessen das Prinzip der Liste mittlerweile erscheint. Rankings, ob in Form von Listen, Awards oder Wettbewerben, sind nicht im Mindesten in der Lage, die Welt zu erklären. Anhand des Umsatzes auszählen zu wollen, wer wichtig und bedeutend ist, erscheint mir ebenso unsinnig, wie die Bedeutung eines Menschen an seiner Körpergröße erkennen zu wollen. Es ist eine eindimensionale Betrachtungsweise, die die Welt nicht im mindesten erklärt. Es ist die Welt, reduziert auf eine PowerPoint Bullet-List.

Eine differenzierte und damit nicht nur ästhetisch sondern auch inhaltlich hilfreichere Betrachtung muss Zusammenhänge aufzeigen, erklären und visualisieren. Die Tagcloud täuscht dabei Komplexität natürlich nur vor, denn Sie verwandelt in ihrer klassischen Form ebenfalls nur ein Kriterium in unterschiedliche Größenverhältnisse, die man genauso leicht als Liste darstellen könnte. Sie hat dabei aber zumindest den Vorteil, auch die "Kleinen" auf der Fläche vergleichsweise prominent zu machen und ihnen somit eine Chance der Beachtung zu geben.

Eine auch nur halbwegs sinnvolle Welterklärung beginnt erst bei Visualisierungen wie den Proximity-Distance-Grafiken, denen es gelingt, zwei oder mehr Kriterien in eine Darstellung zu bringen und sie durch Nähe UND Größe auszudrücken, um damit komplexere Zusammenhänge aufzuzeigen. Meine Agentur benutzt diese Grafiken recht häufig bei Kundenpräsentationen, um ein differenziertes Bild von einem Markenumfeld zu zeigen - und es ist verblüffend, wieviel mehr Erkenntnisgewinn dies allen Beteiligten bringt. Im Gegensatz zur Liste ist die Proximity-Distance-Grafik zwar unscharf - ermöglicht aber exploratives Denken, wo Listen nur Statusfeststellung sind. Sie leiten zum Handeln an, wo andere nur betrachten.

Oder anders gesagt: diese Unschärfe bringt uns weiter, weil wir lernen multikausal zu denken und zu agieren. Fügen Sie der Fortune Liste testweise einfach mal das Kriterium Nachhaltigkeit oder Bilanzqualität hinzu,

Alles andere ist Posing.

 

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