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Etikettenschwindel ohne Kommentar

Carsten Rossi am 25.03.2009 14:26:28

Die W&V vermeldete gestern, dass endlich ein Business Modell für Twitter gefunden sei: "Eine Art Business-Twitter soll es richten. ExecTweets heißt der Dienst, der die 140-Zeichen-Nachrichten von Führungskräften auf einer eigenen Plattform bündeln soll. Aus einzelnen, belanglos erscheinenden Mitteilungen sollen so maßgeschneiderte Zielgruppenangebote für Fach- und Führungskräfte entstehen."

Zugleich veröffentlicht das Handelsblatt in der heutigen Ausgabe einen Kommentar von Jens Koenen zur neuen Allensbach-Umfrage über die Netznutzung bei Jugendlichen (HB, 25.3.2009, S.11). Konstatiert wird neben einigen anderen Dingen erneut, dass die Zeitungen keinen Weg gefunden haben, um mit der Konkurrenz aus dem Netz umzugehen und den eigenen Niedergang aufzuhalten.

Was diese beiden Dinge miteinander zu tun haben?

Dass die Zeitungen sich nicht nur schwach reden sondern schwach denken.

Der oben erwähnte Business Twitter ist nämlich nichts anderes als Etikettenschwindel. In einer Art Convenience-Newsdienst findet dort nichts anderes statt als die Aggregierung der (mehr oder minder) originellen Gedanken anderer. In gewisser Weise also Gedanken-Verschnitt unter neuem Label.

Wer zuletzt lacht ... © staphy - Fotolia.com Wer zuletzt lacht ... © staphy - Fotolia.com

Denjenigen jedoch, die Tag für Tag bezahlt Neues schaffen (könnten), gelingt es nicht, im gleichen Kontext Geld zu verdienen, weil sie sich am News-Spiel beteiligen. Sie fokussieren sich auf Nachrichten, die vielleicht wichtig sind aber letztlich nichts anderes als die Nacherzählung einer Realität, die wir auf tausend Kanälen empfangen können. Statt dessen sollten sie den Fokus auf das Kreative, das Geistreiche und das Moderierende, also auf den Kommentar, den Essay und die Glosse legen, also auf das, was im Business-Jargon so schön "Mehwert" heisst. Statt sich unter dem Banner der informationellen Grundversorgung auf alte Modelle im neuen medialen Gewand zu konzentrieren, müssen die Medien einen originären Beitrag zur Debatte leisten: Geist, Hintergrund und Intelligenz.

Ohne diesen Wandel kann ich auch meinen Kunden nur empfehlen, lieber selber im Netz zu publizieren als klassische PR zu betreiben.

 

 

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